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#12 - Februar 2026


Themen in dieser Ausgabe:


Hallo ,

in wenigen Tagen wird Digitale Anomalien fünf Jahre alt.

Fünf Jahre Technikgeschichte, kuriose Fehler, Hackerlegenden und die kleinen Momente, in denen Geschichte anders hätte verlaufen können. Und ich habe mir zum Geburtstag etwas Besonderes vorgenommen.

Digitale Anomalien startet auf Steady.

Dort entsteht ab sofort ein Premium Feed mit monatlichen Bonus-Episoden. Abrufbar ganz normal per RSS oder auch über Spotify. Los geht es ab knapp 5 Euro im Monat.

Zum Start gibt es vier neue Formate:

Drei exklusive Episoden sind bereits online. Die nächste reguläre Folge findest du dort ebenfalls schon vorab. Steady ist kein Ersatz, sondern ein zusätzlicher Raum für Themen, die sonst keinen Platz finden. Mehr Tiefe. Mehr Experimente. Mehr Nerd-Content.

Wenn du Lust hast, dieses Projekt aktiv mitzutragen, freue ich mich riesig, dich als Supporter zu begrüßen.

Alle Infos findest du direkt bei Steady

Wichtig: Der bisherige Podcast bleibt genauso bestehen. Und die nächste Folge erscheint morgen.

Direkt jetzt gibt es aber schon die nächste Geschichte in dieser Ausgabe der Anomalie. Diesmal nehme ich dich mit ins Jahr 1970. Dort beginnt nämlich die UNIX-Zeit, die bis heute Grundlage für das Verständnis von Zeit in unseren Computern ist.

Ich wünsche dir einen einen guten Start in den Frühling!

Wenn du Feedback für mich hast, kannst du mir gerne direkt auf diese Mail antworten.

Herzliche Grüße
Wolfgang


Was geschah am 1.1.1970?

Wenn dich das nächste Mal jemand nach der Uhrzeit fragt, kannst du natürlich einfach antworten. Aber was, wenn du gerade weder Uhr noch Smartphone zur Hand hast? Für genau diesen Fall kommt hier die Rettung. Denn heute habe ich dir die Geschichte der UNIX-Zeit mitgebracht.

Wenn du dich mit Computern beschäftigst, programmierst oder schon einmal mit Linux gearbeitet hast, ist dir das Konzept der UNIX-Zeit vielleicht begegnet. Es funktioniert so: Computer zählen als Referenz die vergangenen Sekunden seit dem 1. Januar 1970. Für Maschinen hat das einen großen Vorteil. Man kann damit sehr einfach rechnen. Die Differenz zwischen zwei Zeitpunkten lässt sich beispielsweise durch eine einfache Subtraktion bestimmen. Für die menschenlesbare Darstellung werden diese Zeitstempel anschließend in das jeweils gewohnte Datums- und Uhrzeitformat umgerechnet. 

Und falls du schon einmal mit Datum und Uhrzeit programmieren musstest, weißt du vermutlich, wie kompliziert das werden kann. Zeitzonen, Sommer- und Winterzeit oder Sonderfälle wie Schaltjahre oder Schaltsekunden machen die Sache schnell unübersichtlich.

Aber wie ist das Konzept der UNIX-Zeit eigentlich entstanden?

Ende der 1960er Jahre entstand in den Bell Laboratories das Mehrbenutzer-Betriebssystem UNIX. Die Bell Labs waren damals eine Forschungsabteilung des US-Telekommunikationsunternehmens AT&T. UNIX war zunächst ein kommerzielles System. Später entstand mit Linux eine freie Open-Source-Variante, die heute vor allem im Serverbereich stark verbreitet ist.

Für UNIX benötigte man ein Verfahren zur Zeitmessung. Die ursprüngliche Idee war, fortlaufend Sechzigstelsekunden zu zählen. Als Referenz diente zunächst der 1. Januar 1971. Diese Einheit bot sich an, weil die damalige Hardware die Schwingung des Stromnetzes als Taktgeber nutzte. Das US-Stromnetz arbeitet mit 60 Hertz.

Intern verwendete man eine vorzeichenbehaftete 32-Bit-Ganzzahl, um den Zeitstempel zu speichern. Die größte positive Zahl, die sich damit darstellen lässt, beträgt 2.147.483.647.

Das sind über zwei Milliarden. Bei der Verwendung von Sechzigstelsekunden wäre dieser Wertebereich allerdings schon nach rund zweieinhalb Jahren ausgeschöpft gewesen. Also überarbeitete man das Konzept und stellte auf ganze Sekunden um. Gleichzeitig verlegte man den Referenzzeitpunkt auf den 1. Januar 1970, 00:00:00 Uhr UTC.

Eine besonders spektakuläre Geschichte gibt es zu diesem Datum übrigens nicht. Es wurde schlicht gewählt, weil es ein rundes, naheliegendes Datum war. Der Anfang eines Jahrzehntes bot sich einfach mehr an. Außerdem beginnt man in der Informatik ja generell gerne mit der 0 und nicht mit der 1.

Als diese Entscheidung getroffen wurde, dachte vermutlich niemand daran, dass sie Jahrzehnte später ein Problem verursachen könnte. Durch die Umstellung von Sechzigstelsekunden auf Sekunden verschob man das drohende Limit lediglich in die Zukunft. Allerdings sehr weit in die Zukunft.

Im Jahr 2038 ist es so weit. Dann erreicht die 32-Bit-Zahl ihr Maximum. Es kommt zu einem sogenannten Überlauf. Das ist vergleichbar mit einem analogen Kilometerzähler: Nach 999999 springt er wieder auf 000000. Beim Zeitstempel ist es so, dass eine vorzeichenbehaftete Zahl genutzt wird. Es können also positive und negative Zahlen repräsentiert werden. Und für das Vorzeichen wird ein Bit verwendet. Beim Überlauf wird nun dieses Vorzeichen von positiv auf negativ umgeschaltet.

Bei der UNIX-Zeit folgt auf den 19. Januar 2038 um 03:14:07 Uhr UTC der 13. Dezember 1901. Und man kann sich leicht vorstellen, dass nicht jedes System damit souverän umgehen wird.

Das erinnert stark an den Jahr-2000-Bug, den ich vor einiger Zeit im Podcast behandelt habe. Moderne Betriebssysteme sind inzwischen vorbereitet. Statt 32 Bit werden 64 Bit verwendet. Damit verschiebt sich das Problem praktisch ins Unvorstellbare.

Allerdings ist davon auszugehen, dass es auch 2038 noch genügend Geräte geben wird, die intern mit 32 Bit arbeiten und entsprechend anfällig sind.

Warum hat man damals überhaupt 32 Bit gewählt? Vermutlich aus zwei Gründen. Zum einen war Speicher teuer. Zum anderen konnte sich kaum jemand vorstellen, dass diese Technologie noch mehr als sechzig Jahre später eine Rolle spielen würde.

Quellen


Links und Leseempfehlungen

Erneuerbare Energie Dieser Artikel zeigt ein paar sehr beeindruckende Fotos von Solar- und Windparks in China.

Vibe Coding Glaubt man einigen KI-Enthusiasten, dann wird in naher Zukunft Software ausschließlich von KI Agenten geschrieben. Menschen werden überflüssig. Nun ist eine weitere Gefahr für die Notwendigkeit des Menschen aufgetaucht: Hunde. In diesem Artikel beschreibt Caleb Leak, wie sein Hund mit Hilfe von KI eigene Spiele entwickelt hat. Der Trick bestand darin, dass der KI zuvor gesagt wurde, dass die Eingaben von einem genialen und exzentrischen Spieledesigner stammen und die kryptischen Zeichenketten eine Bedeutung haben (die die KI entschlüsseln muss). Plot Twist: Die kryptischen Eingaben stammten von einem Hund, der auf einer Tastatur herumtippte. Ein gleichzeitig spannender und unterhaltsamer Artikel.

Noch mehr Vibe Coding Cloudfare betreibt viel Infrastruktur im Internet. In einem aktuellen Blogartikel beschreibt ein Mitarbeiter, wie er innerhalb von einer Woche durch KI Agenten eine völlig neue Implementierung der bekannten Bibliothek Next.js erstellt hat. Der Text liest sich wie eine dieser Sensationsmeldungen, von denen derzeit die einschlägigen Medien überflutet werden. Zum Ende des Artikels schreibt der Autor, dass die KI auf die Abstraktionen verzichten kann, die wir Menschen für das Verständnis des Codes brauchen. Und so kann die KI Dinge tun, die wir nicht tun und den Code so kompakter und ggf. auf effizenter gestalten. Das stimmt natürlich. Doch möchten wir wirklich komplexen Code haben, der wegen dem Verzicht auf Abstraktionen komplett unverständlich wie eine Black Box ist? Daran zweifle ich. Vor allem, wenn es sich um Code handelt, der in sicherheitskritischen Bereichen wie beispielsweise dem Gesundheitswesen, der Energieversorgung oder in Fahrzeugsteuerungen verwendet wird.

CSS Eine Simulation einer x86 CPU in reinem CSS. Finde ich sehr beeindruckend.

Analoges DRM Der Automobilhersteller BWM hat eine neue Innovation vorgestellt. Es handelt sich um eine Schraube mit einem Kopf, der dem Unternehmenslogo ähnelt. Festziehen und lösen ist natürlich nur mit einem ebenso propritären Werkzeug möglich.

KI steigert die Produktivität Wenn wir KI als Werzkeug nutzen, dann kann das unsere Produktivität steigern. Aber was bedeutet das für uns? Macht uns das wirklich leistungsfähiger? Eine Studie zeigt, dass die Belastung steigt, weil Menschen dadurch mehr Aufgaben übernehmen.  


Neulich im Podcast & im Internet

Digitale Anomalien #120: Wie funktioniert eigentlich Dobble? (feat. Eigenraum)

Wenn man zum ersten Mal Dobble spielt, wirkt es fast wie Magie. Das Spiel besteht aus 55 runden Karten, auf denen jeweils acht Symbole abgebildet sind. Zwei beliebige Karten haben jeweils genau ein gemeinsames Symbol. Nicht mehr und nicht weniger.

Dobble basiert auf einem mathematischen Prinzip, dessen Wurzeln ins 19. Jahrhundert zurückreichen. In dieser Folge spreche ich mit Thomas Kahle vom Eigenraum-Podcast über Dobble. Thomas ist Mathematiker und erklärt die Magie hinter dem Spiel. Oder, wie er es bezeichnet: die Mathematik.

Außerdem erzählen wir die Entstehungsgeschichte von Dobble. Diese Folge ist ein Crossover von Eigenraum und den Digitalen Anomalien.

Digitale Anomalien #121: Der Wostotschny Zwischenfall

Mit dem Weltraumbahnhof Wostotschny wollte Russland seine Unabhängigkeit vom Kosmodrom Baikonur sichern. Dieses gehörte seit dem Ende der Sowjetunion nämlich zu Kasachstan.

Der Bau des neuen Kosmodroms Wostotschny war ein Großprojekt, das viele Herausforderungen und Probleme mit sich brachte. Es wurde jedoch, wenn auch mit Verzögerungen, im Jahr 2016 fertiggestellt.

Beim ersten Start traten im Vorfeld Probleme auf, die zu einer eintägigen Startverzögerung führten. Ansonsten verlief damals alles nach Plan.

Für den zweiten Start war geplant, einen russischen Wettersatelliten sowie 18 Cubesats von internationalen Kunden ins All zu bringen. Doch diese Mission endete mit einem Totalverlust. Die verwendete Sojus-Trägerrakete galt als extrem zuverlässig, und auch die eingesetzte Fregat-Oberstufe war eine bewährte Komponente.

Leider hatte man jedoch noch die Koordinaten von Baikonur statt die von Wostotschny in das Navigationssystem der Oberstufe einprogrammiert. Dies führte im Laufe der Mission zu einer fatalen Kurskorrektur, die im Desaster endete.


Last, but not least

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