#11 - Januar 2026
Themen in dieser Ausgabe:
- Neuigkeiten
- Warum haben Tastaturen ein QWERTZ-Layout?
- Links und Leseempfehlungen
- Neulich im Podcast & im Internet
- Last, but not least
Hallo ,
ich hoffe, dass du einen guten Start ins Jahr 2026 hattest. Mein Jahreswechsel war recht ruhig, da mich ein Infekt erwischt hat. Insofern kann das Jahr nur noch besser werden.
Seit dem letzten Newsletter sind einige neue Podcastfolgen erschienen. Noch im Dezember habe ich die Geschichte einer wirklich coolen Kühlbox erzählt und mich am Heiligen Abend auf die Spuren des Weihnachtsmanns begeben. Es hat mich sehr gefreut, dass die Weihnachtsfolge am 24.12. im Adventskalender von WissPod erschienen ist.
In diesem Jahr ging es dann mit der Geschichte vom Turbo-Taster und vielen Erinnerungen an die 1990er weiter. In der Folge vom vergangenen Sonntag durfte ich mich mit Ferdi und Tobi über Google Safe Browsing und digitale Souveränität unterhalten. Das Gespräch mit den beiden Gästen hat mir viel Spaß gemacht. Kleiner Spoiler vorab: In der kommenden Folge wird es wieder einen Gast geben und gemeinsam sprechen wir über ein Thema, das schon sehr lange auf meiner Wunschliste steht.
In den letzten beiden Folgen habe ich angekündigt, dass es zum fünften Geburtstag des Podcasts ein paar Veränderungen geben wird. Digitale Anomalien wird Anfang März tatsächlich schon fünf Jahre alt. Wo ist nur die Zeit geblieben? Das Projekt macht mir nach wie vor viel Spaß und ich möchte gerne einen Schritt weiter gehen. Die regulären Folgen werden auch künftig im gleichen Rhythmus erscheinen. Natürlich weiterhin kostenfrei und ohne Werbung.
Ab März wird es zusätzlich ein neues Angebot für Supporter geben. Konkret werden das vor allem exklusive Bonusfolgen sein. Und für alle, die mich bereits monatlich auf Ko-Fi unterstützen, wird es dann pünktlich zum Start auch ein kleines limitiertes Dankeschön geben.
Wie das alles konkret aussieht, erzähle ich im nächsten Newsletter und natürlich Anfang März im Podcast. Ich würde mich sehr freuen, wenn du im März dabei bist und mithilfst, den Podcast auf die nächste Stufe zu bringen.
Wenn du Feedback für mich hast, kannst du mir gerne direkt auf diese Mail antworten.
Herzliche Grüße
Wolfgang
Warum haben Tastaturen ein QWERTZ-Layout?
Schau dir mal deine Tastatur an. Entweder die am Computer oder falls du diese Ausgabe der Anomalie am Smartphone liest, die Bildschirmtastatur. Wie sind bei dir die Buchstaben in der ersten Reihe angeordnet? Bei einem deutschen Layout beginnt die Reihe mit QWERTZ, bei einem amerikanischen Layout mit QWERTY. Und falls du ein französisches oder belgisches Layout hast, dann sind es die Buchstaben AZERTY.
Aber warum ist das eigentlich so? Hier kommt das Partywissen der heutigen Ausgabe!
Die ersten Schreibgeräte mit Tastatur waren Schreibmaschinen. Erstmals wurde die Schreibmaschine in einem Patent von Henry Mill aus dem Jahr 1714 beschrieben. Es dauerte dann aber noch einige Zeit, bis es funktionsfähige Geräte gab. Vermutlich baute der Italiener Pellegrino Turri 1808 die erste funktionierende Schreibmaschine. Ein weiteres frühes Modell stammt von Karl Drais aus dem Jahr 1821, die vom Erfinder liebevoll Schreibclavier genannt wurde.
Diese frühen Geräte waren noch sehr experimentell. Doch nach und nach setzte sich das Design durch, das man auch heute noch von der klassischen mechanischen Schreibmaschine kennt. Ein Blatt Papier wird mit einer Walze in die Maschine eingespannt. Diese Walze ist beweglich und sorgt dafür, dass die Buchstaben auch an der richtigen Stelle auf dem Papier landen.
Damit das funktioniert, braucht es ziemlich viel ausgeklügelte Mechanik. Jeder Tastendruck sorgt dafür, dass sich ein Hebel mit Schwung in Bewegung setzt. Am Ende des Hebels befindet sich eine kleine Metallplatte mit dem entsprechenden Zeichen. Das trifft dann auf ein Farbband, das vor dem Papier gespannt ist. Dadurch wird der Abdruck auf dem Papier sichtbar. Wenn sich der Hebel wieder zurückbewegt, wird übrigens das eingespannte Papier um ein kleines Stück nach links geschoben, sodass das nächste Zeichen auf den nächsten freien Platz gedruckt wird.
Die ersten Schreibmaschinen hatten noch nicht das heute gängige Tastaturlayout. Sie waren einfach mit Tasten in der Reihenfolge des Alphabets bestückt. Aber warum ist das heute anders? Naheliegend wäre der Gedanke, dass unser heutiges Layout ergonomisch optimiert ist. Wurden die Zeichen vielleicht so angeordnet, dass die häufigsten leichter zu erreichen sind und man so schneller und angenehmer schreiben kann?
Das wäre schön. Stimmt aber nicht. Der wahre Grund ist aber gar nicht so weit davon entfernt. Als die ersten Schreibmaschinen im 19. Jahrhundert in Büros eingesetzt wurden, dauerte es nicht lang, bis die Menschen genug Übung hatten, um immer schneller damit zu schreiben. Und dabei trat ein ernsthaftes Problem auf.
Denn wenn man Buchstaben, die nebeneinander auf der Tastatur lagen, schnell nacheinander drückte, dann konnte es vorkommen, dass zwei Hebel gleichzeitig in Bewegung waren und sich verhakten. Für dieses mechanische Problem brauchte man eine Lösung. Und die sah so aus, dass man das Layout veränderte und die Tasten so anordnete, dass man beim Schreiben nebeneinander liegende Tasten möglichst selten drücken musste.
Dafür wurden im Wörterbuch alle Worte angeschaut und alle Zweierkombinationen an Buchstaben gesucht, die direkt nebeneinander vorkommen. Solche Zweierfolgen nennt man übrigens Bigramme. Auf dieser Basis entstand das heute immer noch gebräuchliche Layout, bei dem die häufigsten Bigramme nicht auf der Tastatur zu finden sind. Damit reduzierte man die Wahrscheinlichkeit, dass zwei direkt nebeneinander liegende Tasten kurz nacheinander gedrückt werden. Das ist übrigens auch der Grund, weswegen es verschiedene Layouts gibt. In den verschiedenen Sprachen gibt es schließlich unterschiedliche Worte und damit unterschiedliche Bigramme. Das Ergebnis findest du auch heute noch auf deiner Tastatur.
Damit konnte man damals das Problem der mechanischen Schreibmaschinentastaturen lösen. Vielleicht fragst du dich, ob dieses Layout heute immer noch optimal ist? Wir haben heute ja keine Einschränkung mehr durch die Mechanik, so wie es damals der Fall war. Vielleicht gäbe es ja ein besseres Layout?
Das gibt es und zwar schon eine ganze Weile. Denn das QWERTZ-Layout ist ergonomisch nicht besonders gut. Kein Wunder, denn das war damals ja auch keine Vorgabe. Zu den Schwächen von QWERTZ gehört, dass die beiden Hände beim 10-Finger-System unterschiedlich stark ausgelastet sind. Und dass die häufigsten Buchstaben eben nicht so angeordnet sind, dass man sie leicht und schnell erreichen kann.
Es gab verschiedene Versuche, alternative Layouts zu etablieren. Ein bekanntes Beispiel ist das Dvorak-Layout. Aber sie sind alle gescheitert. Denn das QWERTZ-Layout hat einen sehr großen Vorteil: Es ist der weltweite Standard. Wenn man das Layout einmal beherrscht, dann ist die Hürde schon sehr groß, sich umzuorientieren und ein neues Layout zu lernen. Dementsprechend klein ist auch die Motivation von Unternehmen, neue Layouts zu entwickeln und zu vermarkten. Diese Geschichte zeigt gut, dass sich langfristig nicht immer die beste Lösung durchsetzen muss.
Quellen
- Der Wikipedia Artikel zu QWERTZ
- Der Wikipedia Artikel zum Dvorak-Layout
- Der Wikipedia Artikel zur Schreibmaschine
Links und Leseempfehlungen
Hot Dog Windows 3.1 brachte seinerseits verschiedene Themes mit. Die waren alle mehr oder weniger schön anzusehen. Ein Farbschema stach aber hervor. Vor allem, weil es brutal in die Augen stach. Es hieß Hot Dog und war sehr rot- und gelblastig. Und dieser Artikel erzählt die Geschichte dahinter.
Frauen und Wissenschaft Der Matilda-Effekt beschreibt, wie die Leistung von Frauen in der Wissenschaft systematisch verdrängt und geleugnet wird. Den Begriff kannte ich noch nicht, das Verhalten leider schon. In der Wikipedia findet sich eine Liste mit bekannten Fällen.
Copyright? Denkt denn niemand an die Wirtschaft? Für KI-Modelle – und vor allem für LLMs – braucht man Trainingsdaten. Je mehr, desto besser. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Warum eigentlich nicht? So dachte wohl NVIDIA, als sie bei Annas Archive, der größten Schattenbibliothek der Welt, nachfragte, ob man nicht einen schnelleren Zugang zu den verfügbaren Publikationen haben könnte.
Neulich im Podcast & im Internet
Digitale Anomalien #116: Coolest Cooler

Der Coolest Cooler war damals in aller Munde. Zum einen natürlich, weil die Erfindung auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter über 60.000 Menschen überzeugen und damit über 13 Millionen Dollar einsammeln konnte. Das Time Magazine wählte die Hightech-Kühlbox für seine Liste der besten Erfindungen des Jahres aus.
Doch nach der äußerst erfolgreichen Kampagne verlief die Produktion der Kühlboxen leider alles andere als gut. Zwar wurden einige tausend Coolest Cooler produziert und ausgeliefert, und die Kunden waren auch sehr zufrieden damit. Rund 20.000 Backer bekamen jedoch niemals ihr Produkt, als das Unternehmen im Jahr 2019 Insolvenz anmeldete. Was ist damals passiert und was haben viele Start-ups aus der Geschichte der coolsten Kühlbox aller Zeiten gelernt?
Digitale Anomalien #117: Auf den Spuren des Weihnachtsmanns

Seit den 1950er Jahren überwacht das North American Aerospace Defense Command (NORAD) am Heiligen Abend die Reise des Weihnachtsmanns. So soll sichergestellt werden, dass er alle Geschenke ohne Probleme ausliefern kann.
In den Anfangsjahren konnte man sich telefonisch über seine Route informieren. Das ist heute immer noch möglich. Die Mehrheit der Menschen dürfte jedoch den Flight Tracker nutzen, den NORAD jedes Jahr bereitstellt.
In dieser Folge wird die Geschichte hinter dieser Tradition erzählt. Außerdem wird verraten, wie damals alles mit einer falschen Telefonnummer seinen Anfang nahm.
Digitale Anomalien #118: Eine kleine Geschichte vom Turbo Taster

Turbo-Taster sind ein fast vergessenes Stück Technikgeschichte. In den frühen Tagen des PCs orientierten sich viele Programme direkt an der Geschwindigkeit des Prozessors, um ihr eigenes Timing zu steuern. Das funktionierte erstaunlich gut – solange alle Computer gleich schnell waren.
Mit immer schnelleren Prozessoren wurde genau dieser Ansatz jedoch zum Problem. Plötzlich liefen Spiele und Programme zu schnell oder waren kaum noch benutzbar. Die Lösung: Turbo-Taster. Ein Schalter, mit dem man den Rechner gezielt langsamer machen konnte, um kompatibel zu bleiben.
Diese Episode erzählt die Geschichte dieses widersprüchlichen Hardware-Features, erklärt, warum es überhaupt nötig war, wie es technisch funktionierte – und weshalb ein „Turbo“-Knopf den PC am Ende langsamer machte statt schneller.
Digitale Anomalien #119: Google Safe Browsing

Google durchsucht täglich Millionen von Websites als Basis für die eigene Websuche – und sicher auch als Futter für die eigenen KI-Modelle. Bereits seit 2005 nutzt das Unternehmen diese Daten, um sie auf potenzielle Schadsoftware zu untersuchen. Werden potenziell gefährliche Seiten gefunden, landen die entsprechenden URLs auf einer Sperrliste. Diese Liste wird aktuell von rund fünf Milliarden Geräten genutzt, um Nutzer beim Besuch einer gelisteten Seite vor einer potenziellen Gefahr zu warnen.
Diese Warnungen sehen bedrohlich aus – vielleicht habt ihr so etwas schon einmal gesehen. Google Safe Browsing ist heute ein globaler Sicherheitsstandard, der von so ziemlich allen Browsern und weiterer Software genutzt wird. In den über zwanzig Jahren, in denen es Google Safe Browsing nun gibt, hat der Dienst vermutlich sehr viele Nutzer davor bewahrt, Schadsoftware zu installieren.
Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Bei der Google Safe Browsing API kam es immer wieder zu Problemen, die zu Fehlalarmen führten. So wurde beispielsweise im Jahr 2009 ein globaler Fehler festgestellt, durch den plötzlich alle URLs als potenziell gefährlich eingestuft wurden. Für Unternehmen kann das ein großes Problem sein, da ein solcher Fehler sehr schnell zu einem Vertrauensverlust führen kann.
In dieser Folge unterhalte ich mich mit Ferdi und Tobi vom Karlsruher Unternehmen server.camp. Im Oktober 2025 wurden die Webseiten von server.camp plötzlich als potenziell gefährlich eingestuft. Das Timing war denkbar ungünstig, da das Unternehmen einen Tag zuvor eine Marketingkampagne gestartet hatte. Die Kennzeichnung sorgte nicht nur für Fehlermeldungen im Browser sondern schränkte auch den LinkedIn Account des Unternehmens ein, da LinkedIn ebenfalls die Google Safe Browsing API verwendet, um auf der Plattform geteilte Links zu überprüfen.
Wir sprechen über ihre Erfahrungen und befassen uns dabei auch mit dem Thema Digitale Souveränität.
Grobe Pixel #47: Erinnerungen an 1995

1995 war ein weiteres großartiges Jahr für Videospielfans. Denn 1995 erschienen sehr viele grandiose Spiele, die heute als Retro-Klassiker gelten und in Erinnerung geblieben sind.
In der traditionell letzten Folge des Jahres lehnen wir uns zurück und tauschen unseren Erinnerungen aus. Was haben wir damals am liebsten gespielt und welche Erinnerungen sind uns im Gedächtnis geblieben?
Was war dein liebstes Spiel im Jahre 1995? Schreib es in die Kommentare!
Ein ganz großes Dankeschön geht an Sonja (SonjaRegina), Poldi (Pixelbeschallung), Christian Stankovic (Thinkpad Museum), Matze (Darknesslink81), Alex (TheGametleman), Daniel (Heldendumm), Dennis (Nerdwelten), Martin und Markus die in ihren wundervollen Einspielern ihre Lieblingsspiele vorgestellt haben.
Last, but not least
Die Kaffeekasse Die Anomalie und der Podcast sind kostenlos und entstehen in meiner Freizeit. Hauptsächlich, weil mir das viel Spaß macht. Ich habe aber eine kleine virtuelle Kaffeekasse auf der Plattform Ko-Fi und freue mich da über den ein oder anderen virtuellen Kaffee, den ich selbstverständlich zeitnah in ein koffeinhaltiges Heißgetränk umwandeln werde.
Twitch Immer wieder bin ich live auf Twitch und rede da über die aktuellen Techniknews der Woche. In der Regel ist das der Mittwochabend.
Discord Im Discord gibt es immer mehr super nette Leute, die über spannende, witzige und teils auch ernste Themen diskutieren. Schau doch auch mal vorbei!
Themenvorschläge Welches Thema würde dich denn in einer der nächsten Ausgaben interessieren? Schreibs mir gerne als Antwort auf diese Email.
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