#13 - Mai 2026
Themen in dieser Ausgabe:
- Neuigkeiten
- Wie überpüft man eigentlich, ob eine Kreditkartennummer korrekt ist?
- Links und Leseempfehlungen
- Neulich im Podcast & im Internet
- Last, but not least
Hallo ,
alles neu macht der... öhm... Mai!
Ich hoffe, du bist gut in den Wonnemonat gestartet und genießt das Frühlingserwachen. Bei den Digitalen Anomalien war in den letzten Wochen viel los. Im März gab es den fünften Geburtstag und den Start auf Steady. Ich war da ja schon ganz schön aufgeregt und neugierig, wie das beim Publikum ankommt.
Bisher haben sich schon 17 Personen für eine Mitgliedschaft entschieden, worüber ich mich sehr freue. Es macht Spaß, diese zusätzlichen Folgen zu produzieren und dabei auch Themen zu recherchieren, die sonst nicht im Feed landen würden. Aktuell gibt es acht Folgen im Premium-Feed, und alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge. Ich freue mich über weitere Unterstützung. Schau dir mein Angebot doch gerne einmal direkt auf Steady an.
Hättest du Lust auf ein Community-Treffen zum Jahresende? Aktuell gibt es noch keine konkreten Pläne, aber ich denke schon seit einiger Zeit darüber nach. Bis zur nächsten Ausgabe der Anomalie habe ich vielleicht auch schon einen konkreten Vorschlag.
Wenn du Feedback für mich hast, kannst du mir gerne direkt auf diese Mail antworten.
Herzliche Grüße
Wolfgang
Wie überpüft man eigentlich, ob eine Kreditkartennummer korrekt ist?
Hier kommt das Parywissen für diesen Monat! Hast du dich schon einmal gefragt, wie man die Gültigkeit einer Kreditkartennummer überprüft? Natürlich kann man eine Nummer mit den Daten beim Kreditkarteninstitut abgleichen, um auf Nummer sicher zu gehen. Wenn eine Nummer jedoch für einen Einkauf im Internet in ein Formular eingegeben wird, wäre es wünschenswert, wenn sie vorab validiert werden könnte. Das hat Vorteile. Denn jedes Mal, wenn ein Onlineshop bei einer Bank nachfragt, um eine Kreditkartennummer zu überprüfen, dauert es eine gewisse Zeit.
Wenn man eine Bestellung aufgibt, ist es in Ordnung, einige Sekunden auf eine Bestätigung oder eine Fehlermeldung zu warten. Bei einem offensichtlichen Tippfehler in der Kreditkartennummer wäre es jedoch schön, direkt einen entsprechenden Hinweis zu erhalten. Die häufigsten Fehler sind schließlich Tippfehler wie beispielsweise Zahlendreher.
Die gute Nachricht ist, dass sich die generelle Korrektheit einer Kreditkartennummer ganz ohne Internetverbindung überprüfen lässt. Das bedeutet, dass es lokal im Browser funktioniert und dadurch sehr schnell ist. Dazu braucht man lediglich ein bisschen Mathematik.
Doch wie funktioniert das? Zunächst kann man überprüfen, ob die Nummer die korrekte Länge hat. Kreditkartennummern haben in der Regel 13 bis 19 Stellen, bei den gängigen Visa- und Mastercard-Karten sind es typischerweise 16.
Das allein wäre jedoch zu fehleranfällig. Denn nicht jede 16-stellige Zahl ist automatisch eine Kreditkartennummer. Um das zu überprüfen, gibt es einen einfachen, aber genialen Algorithmus. Damit lässt sich feststellen, ob die Nummer korrekt eingegeben wurde oder ob sich ein Tippfehler eingeschlichen hat.
Dabei handelt es sich um den nach seinem Erfinder Hans Peter Luhn benannten Luhn-Algorithmus. Luhn wurde 1896 in Barmen geboren. Heute ist der Ort ein Teil von Wuppertal. Hans Peter Luhn war ein sehr vielseitiger und umtriebiger Mann. Im Laufe seines Lebens meldete er über 80 Patente an. Viele Jahre seiner beruflichen Karriere verbrachte er in den USA bei IBM. Im Jahr 1954 reichte er das Patent für den nach ihm benannten Luhn-Algorithmus ein. Er selbst beschrieb diesen als ein Verfahren zur Prüfziffernberechnung, mit dem sich Eingabefehler bei manuell eingetippten Nummern erkennen lassen.
Der Algorithmus ist so einfach, dass er auch auf Papier oder im Kopf nachvollzogen werden kann. Es gibt nur drei einfache Schritte:
- Zähle die Stellen von rechts nach links durch, beginnend mit 1, und verdopple dabei jede zweite Stelle.
- Wenn eine verdoppelte Stelle größer als 9 ist, ziehe 9 davon ab. Das entspricht übrigens auch der jeweiligen Quersumme: 10 wird zu 1, 14 zu 5.
- Addiere anschließend alle Werte. Wenn die Summe durch 10 teilbar ist, ist die Nummer gültig, ansonsten steckt ein Fehler drin.
Ein einfaches Beispiel mit vier Stellen sieht so aus:
- Unsere Nummer ist 9811
- Jede zweite Stellen wird verdoppelt (von rechts nach links): 18, 8, 2, 1
- Alle Stellen, die größer als 9 sind, werden um 9 reduziert: 9, 8, 2, 1
- Die Summe daraus ist 9 + 8 + 2 + 1 = 20
Wenn sich hier nun beispielsweise ein Zahlendreher einschleicht und aus der 9811 eine 8911 wird, dann sieht die Rechnung anders aus:
- Wir starten mit 8911
- Jede zweite Ziffer von rechts aus gesehen wird verdoppelt: 16,92,1
- Die erste Stelle ist größer als 9, also ziehen wir 9 ab: 7921
- Die Summe ist nun 19, es liegt also ein Tippfehler vor: 7 + 9 + 2 + 1 = 19
Die letzte Ziffer dient beim Luhn-Algorithmus als Prüfziffer. Sie wird für die anderen Ziffern berechnet, um mithilfe des Algorithmus etwaige Tippfehler zu erkennen. Für die Berechnung nutzt man ebenfalls den Luhn-Algorithmus. Als Platzhalter für die Prüfziffer wird hierbei eine 0 verwendet. Im letzten Beispiel war die Prüfziffer der Nummer 8911 offensichtlich falsch.
Für die korrekte Berechnung durchläuft man den Luhn-Algorithmus für 8910 und erhält als Ergebnis 18.
Für die nächste durch 10 teilbare Zahl fehlen noch 2, sodass 2 in diesem Fall die korrekte Prüfziffer ist.
Der Luhn-Algorithmus ist jedoch nicht unfehlbar und hat klare Grenzen. Er erkennt Fehler an einzelnen Ziffern sowie die meisten Vertauschungen benachbarter Ziffern. Er erkennt jedoch nicht die Vertauschung der Sequenz 09 mit 90 oder umgekehrt. Die häufigsten Tippfehler werden jedoch abgedeckt. Was er jedoch nicht erkennt, ist, ob eine Kreditkartennummer tatsächlich existiert. Eine Nummer kann also den Luhn-Check erfolgreich überstehen und dennoch ungültig sein. Das war aber auch nie das Ziel des Algorithmus. Er ist jedoch sehr nützlich, um Vorab-Überprüfungen durchzuführen und beispielsweise schnell das Feedback zu geben, ob sich ein Tippfehler eingeschlichen hat.
Der Luhn-Algorithmus wird weltweit nicht nur für Kreditkartennummern, sondern auch für viele andere Nummern verwendet. Beispielsweise für die IMEI-Nummern bei Smartphones.
Hans Peter Luhn hatte die Idee für dieses einfache Prüfziffernverfahren, das sich im Kopf nachvollziehen lässt. Heute wird es vermutlich milliardenfach Tag für Tag auf der ganzen Welt verwendet. In einer Welt, in der vieles schnelllebig ist und täglich neue Innovationen präsentiert werden, ist diese Beständigkeit ein beruhigender Gegenpol. Bis heute gab es offenbar keinen Grund, etwas Besseres zu entwickeln.
Quellen
Links und Leseempfehlungen
Active Noise Cancelation Cancelation Škoda ist vor allem als Autobauer bekannt. Ursprünglich wurde das Unternehmen aber als Fahrradhersteller gegründet. Autos folgten erst zehn Jahre später. Und in diesem Jahr schließt sich der Kreis. Škoda hat nämlich das Konzept einer analogen Fahrradklingel vorgestellt, die ACN Kopfhörer überlistet und so besser, bzw. überhaupt hörbar sein soll. Und das Beste daran: Das Konzept ist frei verfügbar, sodass auch andere Hersteller damit arbeiten können.
Zu viel KI verwässert unser Verständnis Der Einsatz von KI-Tools in der Softwareentwicklung steigt rasant an. Und es ist ja auch sehr beeindruckend, was gängige Tools wie beispielsweise Claude Code heute leisten können. Ein solcher KI-Agent produziert an einem Tag mehr Code, als es ein Mensch in einer Woche vermag. Aber was ist der Preis dafür. Margaret-Anne Storey beschreibt in ihrem Paper From Technical Debt to Cognitive and Intent Debt: Rethinking Software Health in the Age of AI ein Modell, in dem sie neben der bekannten Technical Debt auch eine Cognitive und Intent Debt in Relation setzt. Dabei wird thematisiert, welche Auswirkung eine KI-basierte Entwicklung auf diese drei Felder hat.
Algorithmen fürs Auge Der Algorithm Visualizer visualisiert viele grundlegende Algorithmen und bringt dafür auch noch Code Beispiele in den gängigen Sprachen mit. Hätte mir damals im Studium gut gefallen.
Neulich im Podcast & im Internet
Neue Inhalte für Unterstützer
Seit der letzten Ausgabe der Anomalie sind gleich fünf neue Episoden auf Steady erschienen. Exklusiv für alle, die Digitale Anomalien dort utnerstützen. Ab knapp fünf Euro pro Monat bist du dabei.

Single Event Upsets | It’s (not) a bug! Ein kosmisches Teilchen trifft ein Bit und plötzlich stürzt ein Flugzeug ab, Mario teleportiert sich oder eine Wahl läuft schief. Single Event Upsets klingen nach Science-Fiction, sind aber Realität: Hochenergetische Teilchen aus dem Weltraum flippen einzelne Bits in irdischem RAM. Und die Folgen sind nicht vorhersehbar. Mal ist es ein legendärer Speedrun-Glitch in Super Mario 64, mal ein Beinahe-Absturz von Qantas-Flug 72, mal eine verfälsche Wahl in Belgien.

Heisenbugs | Reverse Engineering Heisenbugs sind Fehler, die kein deterministisches Verhalten zeigen. Oft lassen sie sich nicht reproduzieren, nachdem ein System neu gestartet wurde. Manchmal verändern sie ihr Verhalten oder verschwinden sogar, sobald man sich mit einem Debugger auf die Suche nach ihnen macht. Heisenbugs sind in Produktivsystemen keine Seltenheit. Eine Spezialform davon sind SEUs, die in der Folge davor besprochen wurden.

Permissive Action Links | Verschlusssache Permissive Action Links (PAL) sind Sicherheitssysteme, die verhindern sollen, dass Atomwaffen ohne Autorisierung gezündet werden. Was eigentlich selbstverständlich klingt, war in Wirklichkeit das Ergebnis eines jahrzehntelangen bürokratischen Machtkampfs zwischen Militär, Regierung und Physikern – mit erschreckend langen Phasen, in denen so gut wie gar nichts gesichert war.

Lena | Die Admin Chroniken Im Jahr 1973 benötigen Forscher der University of Southern California dringend ein Testbild. Jemand kam mit einem Playboy ins Labor. Das Centerfold landete im Scanner. Es zeigte das schwedische Model Lena Forsén. Da geeignete Testbilder damals Mangelware waren, verbreitete sich dieses Testbild in der wissenschaftlichen Community. Es vergehen Jahre und Jahrzehnte, und das Bild von damals entwickelt sich zu einem Referenzbild für Bildverarbeitungs- und Kompressionsalgorithmen. Die Frau auf dem Bild, Lena Forsén, bekommt von alldem nichts mit. Sie wurde auch nie gefragt, ob sie in wissenschaftlichen Publikationen oder Vorlesungen als Testobjekt dienen möchte.

Der Helium-Effekt | Reverse Engineering MRT-Geräte werden mit flüssigem Helium auf ihre Betriebstemperatur heruntergekühlt. Wenn Helium unkontrolliert austritt, dann kann dadurch Elektronik beeinflusst werden. Denn Helium-Atome sind so klein, dass durch andere Stoffe hindurchdiffundieren können. Und so kam im Fall von dieser Folge dazu, dass in einem Krankenhaus plötzlich reihenweise Smartphones ausfiehlen.
Neue Inhalte im Free Feed

Digitale Anomalien #122: Captain Crunch John Draper wurde als Captain Crunch weit über die Hackerszene hinaus bekannt. Eine Plastikpfeife aus einer Cornflakespackung soll ihm die Macht gegeben haben, das amerikanische Telefonnetz auszutricksen, um kostenlose Ferngespräche zu führen. Doch um der Geschichte gerecht zu werden, muss man zwischen der Legende Captain Crunch und der realen Person John Draper unterscheiden. Der Mythos ist schillernd. Der Mensch dahinter deutlich komplizierter.

Digitale Anomalien #123: 5 Jahre Digitale Anomalien Wo ist nur die Zeit hin? In dieser kurzen Zwischenfolge zum fünften Geburtstag gibt es für euch die kurze Geschichte der Hello World Programme. Außerdem erkläre ich euch, wie es mit dem Podcast in Zukunft weitergeht. Ab sofort wird es eine Kampagne auf Steady geben. Dort erwarten euch regelmäßige Bonusfolgen. Der klassische Podcast wird aber wie bisher weitergehen. Auf die nächsten fünf Jahre!

Digitale Anomalien #124: Computer auf 4 Rädern Die fortschreitende Digitalisierung ist schon lange im Auto angekommen. Und das hat Automobilhersteller zu Softwareunternehmen gemacht – ob sie es wollten oder nicht. Ohne smarte Funktionen, Onlineverbindung und regelmäßige Softwareupdates geht heute nichts mehr. Diese Folge bespricht zwei Fälle, die im Abstand von 10 Jahren bei Fahrzeugen der Marke Jeep aufgetreten sind.

Digitale Anomalien #125: Angriff der Ameisen (Analoge Anomalien #7) Die Rasberry Crazy Ants sind eine invasive Ameisenart, die in Texas Millionenschäden verursacht, das Ökosystem durcheinanderbringt und sogar die NASA in Bedrängnis gebracht hat. In dieser Folge geht es um Tom Rasberry, einen texanischen Kammerjäger, der jahrelang allein gegen eine Invasion gekämpft hat, die sonst niemand ernst genommen hat.

Digitale Anomalien #126: Geisterlehrer Im Jahr 2025 wurde entdeckt, dass in Baden-Württemberg über einen Zeitraum von 20 Jahren Jahr für Jahr viele eigentlich eingeplante Stellen für Lehrkräfte nicht besetzt wurden. Die Anzahl schwankte und der Höchststand betrug über 2800. Der Ursprung dafür lag in einer Softwareumstellung im Jahr 2005.

Digitale Anomalien #127: MissingNo. Um das Jahr 1999 verbreitete sich das Gerücht, dass in den Pokémon Spielen Rot und Blau auf dem Game Boy neben den offiziellen 151 Pokémon noch ein weiteres, geheimnisvolles Pokémon mit dem Namen MissingNo. enthalten sein soll. Tipps, wie man dieses Pokémon findet wurden damals für viel Geld auf dem Schulhof gehandelt. Denn das MissingNo. Pokémon versprach, wie durch Zauberei die eigenen Gegenstände zu vermehren.
Sonstiges

Grobe Pixel #49: Faceball 2000 Im Jahr 1991 erschien für den Game Boy das Spiel Faceball 2000, ein früher 3D-Shooter. Als ob das noch nicht spektakulär genug wäre, wurde damals außerdem ein Modus für 16 gleichzeitige Spieler angekündigt. Als das Spiel erschien, war vom 16er-Modus nichts mehr zu hören. Gute 30 Jahre später stieß Alex Bahr im Internet auf die Geschichte von Faceball 2000 und dem 16er-Adapter. Er wurde neugierig und wollte herausfinden, was dahinter steckt.

Die Halo-Clique 2 - Kein Blick in den Sternenhimmel! Ich war mit einer kleinen Sprechrolle bei einem Hörspiel dabei.
Last, but not least
Steady Neben dem regulären Podcast gibt es auch exklusive Folgen für Supporter. Das ganze findet auf Steady statt. Dort gibt es verschiedene Pakete, die neben den Podcast Episoden auch noch weitere Goodies beinhalten. Ab knapp fünf Euro pro Monat bist du dabei und unterstützt damit die Weiterentwicklung der Digitalen Anomalien.
Twitch Ab und zu bin ich live auf Twitch und rede da über Technikthemen.
Discord Im Discord gibt es immer mehr super nette Leute, die über spannende, witzige und teils auch ernste Themen diskutieren. Schau doch auch mal vorbei!
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